MAGGIE BENDER

MAGGIE BENDER

Aus einem knorrigen Olivenbaumstamm wachsen dünne Triebe in den Himmel und hinter den silbernen Blättern tanzt ihr Lachen

Maggie war unsere Sängerin bei F.A.K. und stieg auch bei SISSIS KINDER ein. Später wechselte sie zu FRAUENKLINIK und schließlich zu FRÄULEINWUNDER. Maggie starb vor drei Jahren. Zuvor machte sie noch eine Weltreise per Segelturn. Bis zu ihrem Tode lebte sie mit Teflon Fonfara zusammen, der sie auch pflegte.

Damals, während den PUNK/WAVE/NDW Zeiten war Maggie mit unserem Bandleader von F.A.K., Vic, befreundet. Maggie wohnte mal bei ihrer Mutter auf der Rudolfshöhe, wo auch meine Eltern lebten. Wir dichteten in meinem Elternhaus Texte und machten Atemübungen, als Vorstufe für den Saxunterricht, den sie bei mir nahm. Wir gingen in der Neubausiedlung spazieren, sie ganz im Punk-outfit. Sie hatte erst lange blonde Haare, Pferdeschwanz und sah hinreißend aus. Später hatte sie eine typische Waverinnenfrisur, wunderbarer Bubikurzhaarschnitt. Wir besorgten uns gemeinsam unsere Klamotten bei BOOSTER, der bekannten Boutique in Zürich und besuchten Konzerte in der ROTEN FABRIK. Wir spielten auch mal in Zürich, in einem Jugendzentrum.

Maggie fand ich immer gut, sie aß im Proberaum aus Tubberdosen, die ihre Mutter vollgestopft hatte. Maggie arbeitete an sich und wollte immer weiter, landete auch mal beim SCHERBENTHEATER für einen Gastauftritt im Künstlerhaus Stuttgart.
Ihr Ehrgeiz lag auch an Vic, der sie immer aus der Reserve lockte. Maggie las meine Arbeit, die ich damals über Punk schrieb und ergänzte mich. Sie und Vic nahmen mich 1980 mit in die Mausefalle zum NORMAHL Konzert, auf dem ich für meine damalige Punkarbeit Fotos schoss. Als wir selbst in der Mausefalle auftraten, oh, oh, … mir fiel mein Herz in die Hose, was war ich aufgeregt, beim Schwabesäkel Festival und als Vorgruppe vor LILIPUT. Wir beiden standen immer in vorderster Front, sie sang und schrie und tanzte und ich blies ins Sax. Susanna von FRAUENKLINIK machte mich darauf aufmerksam, dass Maggie bei FRAUENKLINIK auf der Bühne total präsent war und die Band bereicherte.

Manchmal fühle ich, dass Maggie noch lebt und ich das Buch nur oder auch wegen ihr schreibe und wenn ich die Fotos von damals so anschaue spüre ich, dass sie mich sehr gemocht hat. Andrea von FRÄULEINWUNDER hat mir erzählt, dass Maggie mit Vic nachts stundenlang musizierte, es muss Kassetten geben, auf denen die beiden nächtelang spielten, einfach so drauflos. Ich besitze noch eine SISSIS KINDER Kassette, da spielen wir beide unisono Sax, einen sauschweren Bläsersatz voller Synkopen, von Vic. Wie sie den Satz spielen konnte, nach wenigen Wochen Saxlernen, sie muss den Satz mit Vic ewig eingeübt haben. Sie haute mich um. Vic und Maggie besuchten mich sogar mal auf der Schwäbischen Alb, als ich dort in total trostloser Abgeschiedenheit mein Referendariat absolvieren musste.
Wir grillten im Garten griechische Bifteki und beide brachten als Gastgeschenk eine Konserve mit.

Ich hab immer das Gefühl, dass sie bei dem Buch dabei ist. Abgrenzung und Abwertung waren Fremdwörter für sie. Sie verkörperte alle drei Stile: Punk, Wave und Neue Deutsche Welle.
Alles verschmolz sich in ihr.

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Eine Antwort zu “MAGGIE BENDER”

  1. Erinnere mich auch noch an einige Aufnahmesessions mit Steffen, Maggie und Victor bei „Fräuleinwunder“. Danach haben wir die Takes in Vic’s Renault 16 (der mit den Liegesitzen) im Kassetix angehört, um zu hören, ob’s radiotauglich ist … Klaus Scharf war auch manchmal dabei und hat einen geilen Bass gezupft!

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