DIY: IM LAND DER TÜFTLER

Punk/Wave-Instrumentenkunde: Der MS 20 Synthie und Casio VL-Tone vertrieben während der Punk/Wave-Ära nicht selten die konventionelle E-Gitarre, die sich durch Aluminium (bei ANABIOSE), Verstimmung oder fehlende Saiten (HEUTE) verfremden ließ. Waschmitteleimer, Blecheimer (FAMILIE HESSELBACH) oder Küchengeschirr (Co-Mix) und Spielzeug dienten als Rhythmusinstrumente. Mike von SISSIS KINDER baute seine elektronischen „Klopfkisten“ selbst. War ein schräger Bläser in der Band wurde der Sound noch bunter. Simons Schlauch aus der elementaren Früherziehung seiner Eltern?! Ein selbstgebautes Blasinstrument beim „Vater der Stuttgarter Punks“ Albrecht d.? Alles war erlaubt!

Gerne wurde auch mit Lightshow (Blend-A-Med) oder Diaprojektoren (PROJEKT NIVEAU) gearbeitet und eine möglichst derbe, dreckige Show einstudiert. Der mußikant, der damals noch Punkmusik mit VERMIN heraus hämmerte erinnert sich: „Wir tranken warmes Salzwasser, um auf der Bühne besser kotzen zu können!“

Geld war im Gegensatz zu heute viel knapper, deshalb bauten sich kreative Jungs und Mädels Verstärker aus Baumaterial (ÄTZER 81) manchmal selbst. Verzerrer (Rod Schneller/DIE ALTEN), Echo/Hall, Mischpulte und Lautsprecherboxen konnte man auch selbst basteln (MANNSCHRECK, OBERST GREGOR). An Kassettenrecorder, Tonbandmaschinen oder Stereoanlage der Eltern wurde herum gebastelt und herum gekabelt.

Transportiert wurde das einfache Equipment mit den Autos und Anhängern der Familienmitglieder und Freunde, direkt zu den Gigs, die anfangs in Jugendzentren, kirchlichen Gemeindehallen, der Mensa oder in Schulen (X-DREAMOS, THE BEAUTIES, Z7 u.a.) stattfanden.

Die Proberaumsituation war nicht so prekär wie heute, es gab mehr günstige Nischen, stets mit Eierkartons, dicken Teppichen für besseren Sound und Dosenbier ausgestattet. Es wurde getextet und an Stücken herum gefeilt, man wollte besser werden, das Drei-Akkorde-Prinzip erweitern und die Songs wurden möglichst schnell und hart heraus geschleudert. Für ausgedehnte Improvisationen war keine Zeit.

Wann stehen ausgetüftelte Instrumente und selbstgebautes Equipment im Instrumentenmuseum im ehemaligen Fruchtkasten am Schillerplatz in der Stuttgarter Innenstadt? 😉

Foto: Selbstgebastelter Verzerrer von Rod Schneller (ABC, DIE ALTEN, STRAGULA, SUMPFPÄPSTE u.a.)


noch mehr Material hat uns Susa aus dem Umfeld der VILLA ROLLER geschickt, vielen lieben Dank!

hier ein Foto von Stevie Zuchini, der auch noch ein paar fantastische Geschichten beisteuert:

 

heute erreicht mich dieser link von Günter Sahler, in dessen neuem Blechluft-Band u.a. dieser o.g. Beitrag erscheinen wird!

Casiotone MT-11

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