GBH STUTTGART


GBH STUTTGART

GBH — Güterbahnhof Stuttgart — die Bahnwärter-Kantine
Auf dem Güterbahnhofgelände Stuttgart, dem „Planquadrat A1“ von „S 21“, stand ca. 1 km hinter dem Stuttgarter Hauptbahnhof eine alte stillgelegte Bahnwärter-Kantine der Deutschen Bundesbahn. Sie war seit den 80er Jahren bis zum Abriss im Jahr 2000 Treffpunkt vieler Musiker und Künstler. Heute befindet sich auf diesem Areal, dem Pariser Platz, das Shopping-Center Milaneo und die Stadtbibliothek. „Was nördlich des Bahnhofs an der Heilbronner Straße entstanden ist, ist eine Blamage“, schrieb Stuttgarts Oberbürgermeister Fritz Kuhn über die Schwabenmetropole, das Europaviertel. 

In den Kellerräumen der Bahnwärter-Kantine entstanden in den 80er Jahren Jam-Sessions, freie, improvisierte Musik, eine Mischung aus Blues, Rock und Jazz. Die Gründer trafen sich zuvor im Bunker unter dem Stuttgarter Wilhelmsplatz. Immer mehr Musiker strömten in die Bahnwärter-Kantine und entwickelten einen Mix aus Elektronik, Noise, Wave, Indie und Punk.

Daraus bildete sich ein Kern namens „GBH“ – das Güterbahnhof-Kollektiv. Öffentliche Konzerte, Diskurse, Atelier, Grillfeste zwischen den Bahngleisen, Spiele auf dem Kopfsteinpflaster, Ausstellungen, Performance, Discos und Partys … folgten. Der GBH avancierte zu einem Geheimtipp der Stuttgarter Underground-Szene. Der GBH war selbstverwaltet, offen und nicht-kommerziell. Ein Spagat zwischen privat und öffentlich. Gäste waren willkommen.

GBH-Dokumente von damals sind Pressestimmen, Livemitschnitte auf Kassetten und die CD „ABGERISSEN“, thematische Kassetten, Ausstellungen mit Ölbilder, Wandmalereien, Fotokunst und Installationen, Happenings zum Thema S 21, Filme, eine Dokumentation und ein Fanzine.

Viele Jahre trafen sich Mitglieder des früheren Güterbahnhof-Kollektivs „GBH“ auf Demonstrationen gegen Stuttgart 21. Der Großteil des GBH-Kollektivs ist bis heute kulturell aktiv. Ein Teil der Musiker und Künstler trifft sich seit 1999 zu Sessions auf der Stuttgarter Prag im Maybach-Keller MBK, dem direkten und aufgefrischten Underground-Nachfolger von GBH Stuttgart. GBH und MBK können als hedonistische Spielwiese, als Bastion gegen Hochkultur und Vorliebe für Stuttgarter Subkultur gesehen werden. Rausch und Ekstase, Anarchie, Chaos, Dilettantismus und Protest
schwingen immer mit.

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